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„Keine Startbahn West“
   
  © Grafik: Wolfgang BlaseckVon den ersten Schritten der Flughafenausbau-
gegner, bis zur Bildung einer gesellschaftlichen Massenbewegung. Wie alles begann...
   
 

Der Weg der Instanzen
Schon in den frühen 60er Jahren, hegte die Fraport AG, damals die Flughafenaktiengesellschaft (FAG), Pläne zur Erweiterung des Rhein-Main Flughafens über ihr Gebiet hinaus. Aufgrund steigender Flugbewegungen, schienen ein neues Terminal und eine weitere Start- bzw. Landebahn unverzichtbar.
Auch den angrenzenden Bürgern blieb die Entwicklung, insbesondere durch den stetig steigenden Lärmpegel nicht verborgen. Um den engagierten Pfarrer Kurt Oeser aus Mörfelden gründete sich daraufhin die erste „Bürgerinitiative“ der BRD. Die „Interessensgemeinschaft gegen Fluglärm“. Später folgte die überregionale Aktionsgemeinschaft „Bürgerinitiative gegen Flughafenerweiterung Frankfurt Main“. Ihnen ist es unter anderem zu verdanken, dass rechtliche Einsprüche von Bürgern und Gemeinden, die Gerichte rund um die Planfeststellungsverfahren von 1968 und 1971 für Monate, sogar Jahre beschäftigten. Trotz aufkeimender Hoffnung, die Erweiterung durch die Instanzen verhindern zu können, fällte das Bundesverwaltungsgericht am
7. Juli 1978 ein Urteil zugunsten der FAG. Mit dem Bau konnte nun jeden Tag begonnen werden.

   
 

Bürger wehren sich
Nunmehr juristisch gestärkt, begann die FAG mit dem Roden eines 303 Hektar großen Waldstücks. Zu Ostern 1979 wurden die Proteste der Startbahngegner immer gewaltiger und offensiver. Bis zu 4.000 Menschen nahmen an Demonstrationen und Waldspaziergängen teil. Laut Polizei war ein „neue Demonstrationstyp“ geboren. Nicht langhaarige Hippies und sozialistische Studenten, sonder Mütter, Väter, Handwerker, Rentner, Ärzte und viele andere stellten sich gegen die Pläne der FAG.

   
 

Die ersten Bäume fallen
Am 5. Mai 1980 setzte das Aktionsbündnis ein erstes festes Symbol für den gewaltfreien Widerstand der Region. Um fünf Uhr morgens trafen sich duzende BI`ler im Flörsheimer Wald und errichteten in schweißtreibender Arbeit und unbemerkt von Polizei und FAG die „BI-Hütte“. Begeistert besuchten viele Bürger die Hütte im Wald.
Die entstandene Euphorie wurde jedoch durch das endgültige Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtes gestört. Der Bau war nun rechtlich nicht mehr zu verhindern.
Noch im Oktober begann die FAG mit der Abholzung von 7 Hektar Mischwald. Während die Holzfäller anfangs an der Entschlossenheit der Aktivisten scheiterten, gelang die spätere Rodung nur unter schwerem Polizeieinsatz.

   
  © Foto: Peter Illert
   
 

Staatsgewalt
Entrüstet über das harsche Vorgehen gegen friedliche Demonstranten fanden sich wenige Wochen später fast 15.000 Menschen in Walldorf zu einer Großdemonstration ein. Diese strömten später in den Wald und hielten an der BI-Hütte einen Gottesdienst ab. Währenddessen begannen Dauerbesetzer weitere Hütten zu bauen. Das sog. „Hüttendorf“ im Flörsheimer Wald entstand (ca. 60 Hütten). Am 5. Oktober beschlossen die Startbahngegner den gerodeten Bereich zu besetzen. Mehrere Tausend Demonstranten harrten dort für Tage aus. Erst am „blutigen Sonntag“ wurde die Demonstration der mittlerweile 10.000 Aktivisten von Polizei und SEK zerschlagen. Opfer waren keine Gewalttäter, stattdessen Frauen, Kinder, Rentner usw...
Nun schlug die letzte Stunde des Hüttendorfs. Am 4. November 1981 begann die Räumung durch die Polizei. Zwar war bekannt, dass eine Räumung bevor stand, doch den Einsatzkräften gelang es, die Dorfbewohner zu überrumpeln. Das Dorf sicherte man mit Natodraht und herbeieilende Startbahn-
gegner und BI`ler wurden von Polizisten und Tränengas begrüßt.

   
 

Die Massenbewegung setzt sich nicht durch
Wut, Zorn und Enttäuschung stand vielen ins Gesicht geschrieben. Dennoch, man gab sich nicht geschlagen. Für die nächste Großdemonstration wurde eine neue Widerstandsform beschlossen. Der „Nackten-Samstag“ mit mehr als 30.000 Demonstranten erregte aufgrund der symbolischen Besetzung des Bauplatzes durch 60 Gegner mit nacktem Oberkörper und erhobenen Händen Aufmerksamkeit. Eine weit größere Demonstration mit 150.000 Teilnehmern fand daraufhin in Wiesbaden statt. Am Innenministerium angelangt, wurden die gesammelten 220.249 Unterschriften übergeben. Tags darauf blockierten viele der Demonstranten den Autobahnzubringer des Flughafens. Nach schweren Angriffen durch die Polizei, entwickelte sich daraus eine Autobahnblockade von mehreren Stunden. Doch der Höhepunkt der Massenbewegung endete mit der Unzulässigkeitserklärung des Volksbegehrens.

   
  © Foto: Peter Illert
   
 

Die Zerstörung der Vernunft
Bis zur Fertigstellung des Betonzauns rund um das gerodete Baugelände gab es weitere vielfältige Aktionen. Die BI`s initiierten die „Sonntagsspaziergänge“ als neue Protestform. Hier kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und autonomen Demonstranten. Militanten Aktivisten gelang es immer wieder Schäden an Strommasten und am Betonzaun zu verursachen (Guerillataktik). Die Spaltung der Bewegung in gewaltlose und militante Aktivisten war vollzogen. Auch nach der Inbetriebnahme der Startbahn, am 12. April, blieben die Sonntagsspaziergänge als regelmäßige Aktionsform bestehen.
Dennoch: Am 4. November 1987 wurde der Untergang der Bewegung eingeläutet. Während der Demonstration zum „6. Jahrestag der Hüttendorfräumung“ fallen Schüsse in Richtung der Polizei. Zwei Beamte sterben an ihren Verletzungen. Durch die Schüsse gerechtfertigt, schwappte eine immense Repressionswelle über die Startbahngegner (egal ob BI, Naturschützer oder Autonome) im Rhein-Main-Gebiet. Nach unzähligen Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Denunziationen war die Bewegung völlig erschöpft und innerlich zersplittert. Nur noch der harte Kern der betroffenen Gebiete hält bis heute der Fraport stand. Dies soll sich jedoch wieder ändern.

   
 

Quellen
Broschüre:
Für ein lebenswertes Rhein-Main-Gebiet: NEIN zum Flughafen-Ausbau
Bündnis der Bürgerinitiativen – Kein Flughafenausbau. Für ein Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr.
www.flughafen-bi.de

Bücher:
„Keine Startbahn West“ Argumente, Bilder und Berichte ISBN 3-88534-306-1
Bürgerinitiativen gegen die Flughafenerweiterung Frankfurt am Main
1981 Verlag 2000, Ludwigstraße 33,
Postfach 591, 6050 Offenbach 4

Startbahn 18 West – Bilder einer Räumung
ISBN 3-921982-19-7
Marianne Himmelheber und Klaus Philip 1981
Minotaurus Projekt, Ploenniesstr. 8, 6100 Darmstadt

Das Dorf im Flörsheimer Wald – Eine Chronik vom alltäglichen Widerstand gegen die Startbahn West ISBN 3-472-61368-8
Hermann Luchterhand Verlag GmbH & Co. KG 1881
Darmstadt und Neuwied

   
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