Zukunft Rhein-Main young - kein Flughafenausbau | Umweltskandal | Wertvoller Wald
 
 
Links E-Mail Impressum FAQ

Warum wir den Wald zum Atmen brauchen
   
 

Wälder spenden Sauerstoff, filtern Schadstoffe aus der Luft und sorgen im Sommer für eine kühle Brise. Gründe genug, den Wald rund um den Flughafen nicht anzutasten, meint der Förster Holger Scheel.

„Zu meinen besonderen Interessen gehören seltene Bäume“, erzählt Holger Scheel. „Die ziehe ich im Pflanzgarten groß und setze sie dann wieder in den Wald.“ Zu diesen Bäumen gehört die Flatterulme. Sie wächst in Flusstälern und hält bis zu 100 Tagen Hochwasser im Jahr aus. Weil Flüsse heute künstlich eingezwängt und die Flusstäler bebaut werden, ist die Flatterulme rar geworden.

Holger Scheel  © Foto: Marco TrottaHolger Scheel ist Revierförster in Frankfurt Schwanheim und Sprecher des Arbeitskreises Bannwald der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU). Er ist Spezialist für Naturschutz im Wald und macht viel Öffentlichkeitsarbeit: Führungen und Veranstaltungen. So klärt er die Menschen z.B. darüber auf, was ein Bannwald eigentlich ist. „Früher bedeutete das, dass nur der adelige Waldbesitzer im Bannwald Bäume fällen und Tiere jagen durfte“, sagt er. „Damals wie heute heißt Bannwald: Finger weg Heute geht es dabei um Wälder, die wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Umwelt erhalten bleiben sollen.“

Der Frankfurter Stadtwald ist so ein besonderer Wald. Er verfügt über eine beachtliche Tier- und Pflanzenvielfalt. Aber auch für die Menschen ist er von unschätzbarem Wert. Und doch könnte er für einen Flughafenausbau kaputtgemacht werden. „Der Schwanheimer Wald liegt zwischen der Stadt und dem Flughafen. Aus diesem Grund ist er von Schienen und Straßen zerschnitten“, zeigt der Förster auf dem Plan an der Wand. Würde der Flughafen ausgebaut werden, würde nicht nur ein großes Stück Wald durch die neue Landebahn verlorengehen. Zusätzlich dazu würden die Straßen und Schienen zwischen Flughafen und Stadt wachsen.

„Wenn man zu Fuß durch den Wald geht, stößt man immer wieder auf Barrieren, und dann muss man nach Brücken oder Unterführungen suchen“, erläutert Holger Scheel. „Den Tieren geht es genauso. Die Vögel fliegen darüber, aber die Säugetiere werden oft überfahren. Auf der A5 haben sie kaum Chancen, es über den Mittelstreifen hinaus zu schaffen.“

   
  Plakat © Foto: Marco TrottaGerade in dem Ballungsgebiet Rhein-Main und bei der Großstadt Frankfurt müssen Wälder erhalten bleiben. „Wir atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Bei Pflanzen ist es genau umgekehrt. Irgendwo muss die frische Luft für die Stadt ja herkommen. Sie kommt aus dem Forst.“ Zudem reinigen die Bäume auch die Luft, filtern den Staub heraus. Und im Rhein-Main-Gebiet werden sehr viele Schadstoffe in die Luft geblasen, die nicht nur als saurer Regen, sondern auch als unsichtbares Dauerrieseln wieder herunterkommen. Man bemerkt das nur selten, z.B. wenn man Staubschichten auf Blättern entdeckt. Auf Autos, die eine zeitlang gestanden haben und dann feucht werden, bildet sich durch den Niederschlag ein schmutziger Film.
   
  Der Wald sorgt auch für den Temperaturausgleich der Stadt, besonders bei der immer extremer Hitze im Hochsommer. „Durch die zugepflasterten Straßen und die aufgeheizten großen Gebäude wird es in der Stadt im Sommer fast schon tropisch“, berichtet Förster Scheel. „Dann steigt heiße Luft nach oben. Von den Seiten kann anschließend Luft nachfließen: Im Süden Frankfurts kommt die kühle Luft aus dem Stadtwald, im Norden aus dem Taunus.“
   
  Bis jetzt fungieren die Bäume auch noch als natürlicher Lärmschutzwall gegenüber Autobahn, Flughafen und Eisenbahn. In der Höhe von Kelsterbach, „wo schon alles abgehackt wurde“, musste man stattdessen hohe Betonwände errichten, die irgendwie an die Berliner Mauer erinnern.
   
  Die wichtigste Funktion des Stadtwaldes sieht Holger Scheel allerdings in der Naherholung. Gerade in einer Stadt, wo man ständig von Lärm umgeben ist, sollte der Wald nicht weiter dezimiert – und durch weitere Flugschneisen und Infrastrukturen mit Lärm belastet werden.
Der Forst wird von den Städtern emsig besucht, und immer mehr Kindergärten nutzen den Wald gezielt, um den Großstadt-Kids einen Ausgleich zu bieten. „Wenn es in der Nähe nichts mehr gibt, muss man mindestens in den Odenwald oder den Taunus fahren“, sagt Holger Scheel. „Das führt wieder zu Mehrbelastung – auch für die Gebiete, in die man fährt.“
   
  Schließlich dient der Frankfurter Forst auch der Trinkwassergewinnung für die Stadt. Allerdings deckt er nur ein Drittel des Gesamtbedarfs. Der Rest kommt aus dem Spessart, dem Vogelsberg und dem Ried. „Daran wird deutlich, dass wir eigentlich mehr Wald bräuchten und nicht weniger“, schlussfolgert der Revierförster.
   
  top